Dekorationsbild: Kursleiterin mit Teilnehmern, Gebäude einer Volkshochschule
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Veranstaltungen am 27.08.2021:

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freie Plätze 14011 Philosophisch ins Wochenende - Philosophische Anthropologie

(Wesel, ab Fr., 27.8., 15.00 Uhr , Dr. Temilo van Zantwijk)

Durfte Johann Gottfried Herder in seinen 'Ideen zu einer Philosophie der Geschichte der Menschheit' (1784-1789) noch annehmen, dass der Mensch 'zu feinern Sinnen, zur Kunst und Sprache organisieret' sei und damit die Anlagen zur Ausbildung der Vernunft und zur Perfektionierung seines Wesens in sich trage, so wurde dieser Humanismus schon bald durch die Französische Revolution und die darauffolgende Tyrannei eines Besseren belehrt. Die Menschheit wählte lieber den kurzen Weg von der 'Humanität über die Nationalität zur Bestialität' (Franz Grillparzer) als zur Vollendung der Aufklärung. Die beiden letzten Jahrhunderte, das neunzehnte und zwanzigste, haben zur Genüge bewiesen, dass der Mensch noch ganz andere Anlagen als die zur Humanität in sich trägt: Die industrielle Ausbeutung der Natur einschließlich des Menschen, ein sich in Eroberungskriegen und Genoziden ergießender Machthunger und eine immer radikalere Bedürfnisbefriedigung in einer globalen Konsumwirtschaft haben die humanistischen Ideale der Aufklärung gründlich zerstört.

Während wir mehr über unsere biologischen Erbanlagen, über die Größe des Universums und die Zufälligkeit unseres Daseins sowie über unkontrollierbare tiefenpsychologische Strukturen unserer Handlungsmotive lernten, erlangten wir gleichzeitig die Fähigkeit, unsere eigene Spezies auszulöschen. Mit einem Wort: Der Mensch hat sich als 'prekär' erwiesen.

Wer sich diese Problemlage vor Augen führt, muss nicht weiter von der Dringlichkeit einer philosophischen Anthropologie überzeugt werden.
Anhand von Textfragmenten ihrer wichtigsten Vertreter: Max Scheler, Ernst Cassirer, Helmuth Plessner, Arnold Gehlen und Michael Landmann suchen wir nach Antworten: "Wer oder was ist der Mensch und wie ist seine Stellung zur Natur und zu seinen Mitmenschen zu bestimmen?"
Selbst wenn wir bei diesem Versuch statt belastbarer Antworten nur immer neue Fragen entdecken, werden wir doch Fortschritte im Verständnis des Problems erzielen, das wir selbst sind.

Die Veranstaltung richtet sich nicht nur an Fachwissenschaftler*innen. Alle, die Lust haben, die Arbeitswoche mit einem anregenden Gespräch zu beenden, sind in diesem Seminar herzlich eingeladen mitzudenken und mitzudiskutieren.

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